visibility

­­Visibility, das Sichtbare,  nennt Marcella Müller ihre Fotografien, die sie auf Reisen findet, nicht sucht. Mäandrierend auf immer kleineren Straßen durchfährt sie die Peripherie Europas. Immer wieder kehrt sie in dieselbe Gegend zurück und führt akribisch Buch über ‚das Sichtbare’. Und mit der Genauigkeit einer erfahrenen Landvermesserin, die das Ungewöhnliche einer räumlichen Konstellation unmittelbar erfasst, wählt sie ihre Motive aus. Namenlos bleiben die menschenleeren Orte, sie könnten überall sein. Marcella Müller überlässt es dem Betrachter, nach Zeichen zu suchen, die ihm ermöglichen, sie näher zu bestimmen.

 

 

Visibility is the title of Marcella Müller’s photographs, which she discovers – but does not look for – during her travels. Meandering on ever decreasing roads she journeys into the periphery of Europe. She returns repeatedly to the same area and keeps a meticulous diary of the ‚visible’. Then with the precision of an experienced surveyor who instantaneously captures unusual spatial constellations she selects her images. The deserted places remain nameless; they can be anywhere. Marcella Müller leaves it to the viewers to look fort he signs, which could enable them to identify the locations.

 

Dr. Matthias Bullinger, Katalogtext (Auszüge) , erschienen anlässlich der Ausstellung ‚I see Europe’ ,  Kunstbezirk Stuttgart, 2013

 

Stuttgart nach Zahlen

Marcella Müller begann mit einer analogen Kamera – einer Großformatkamera – zu fotografieren. Nachdem ihr bevorzugtes Filmmaterial nicht mehr produziert wurde, wechselte sie vor einigen Jahren zu digitalen Apparaten. Ihre Arbeitsweise hat Marcella Müller jedoch beibehalten. Sie begibt sich auf eine konzentriert ruhige Motivsuche in Stuttgart. Der Titel ihrer Arbeit Stuttgart nach Zahlen umreißt nur andeutungsweise was hier aufscheint. Nüchtern spricht sie von einer Auflistung der 152 Stuttgarter Stadtteile, die sie in jeweils einem Bild porträtiert. Zwanzig Motive hat sie uns hier präsentiert – im Lauf der nächsten Monate sollen weitere Aufnahmen folgen. Dabei interessiert sich die Fotografin nicht für das landläufig Sehenswerte, für die Denkmäler oder für den touristischen Blick. Marcella Müller findet die Nebenschauplätze. Sie überlässt den Betrachtern nach Zeichen zu suchen, die es ermöglichen die Bilder näher zu bestimmen. Ihre Bilder zeigen Orte, die von menschlicher Anwesenheit zeugen, die Menschen selbst sind jedoch nicht zu sehen (bis auf eine Ausnahme!). Sie verdichtet die Artefakte des Nebensächlichen. Es scheint als arbeite sie an einer Enzyklopädie der Alltagskultur für eine Zukunft der Erinnerung.

[aus der Eröffnungsrede von Bettina Michel, Zukunft der Erinnerung]